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Noch ist Polen nicht verloren

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Konzeption zu "Noch ist Polen nicht verloren"
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Noch ist Polen nicht verloren - Konzeption

eine Komödie von Jürgen Hofmann

"Sein oder Nichtsein" ...

... diese Frage stellt Josef Tura (Martin Kreusch - Theater Varomodi) alias Hamlet Abend für Abend auf der Bühne des Posener Stadttheaters.
Eigentlich hätte die kleine polnische Theatergruppe eine Satire auf Nazideutschland im Repertoire, doch diese fiel der polnischen Zensur zum Opfer.
Nun, im Herbst 1939, ist Polen von deutschen Truppen besetzt, und auch die Schauspieler leiden unter der Besatzung, als durch einen SS-Spitzel der gesamte Posener Widerstand bedroht ist.
Durch die heimliche Liebschaft von Maria Tura (Astrid Beier - Theater Apron) zu einem polnischen Fliegerleutnant im Londoner Exil (Daniel Gebhardt - theater HALOGEN) gerät das Schauspielerpaar mitten hinein und das ganze Ensemble hilft, die Katastrophe zu vermeiden.
Aus den Karikaturen der geprobten Satire werden glaubwürdige Nazis und die Satire verlagert sich von der Bühne ins Hauptquartier der Posener Gestapo. Der Gipfel der Szenerie ist der Auftritt einer hochschwangeren Frau als Adolf Hitler (Nicole Kopf - theater HALOGEN).

Das Projekt

Mit „Sein oder Nichtsein“, dieser genialen ernsten Komödie über eine Schauspieltruppe, die im wahrsten Sinne des Wortes um ihr Leben spielt, haben wir das Stück gefunden, das uns überzeugt: es hat mit uns als Theatermachern zu tun, gemahnt uns an unsere gesellschaftliche Verantwortung, hat aber auch zugleich den Witz und Charme, den es so wunderbar „unpädagogisch“ werden lässt und eine große Spiel- und Umsetzungsfreude bei uns auslöst.

In Halles Theaterlandschaft ein Zeichen zu setzen, ist uns ebenfalls Bedürfnis: gemeinsam können wir es schaffen – wie im Stück!

Warum dieses Stück und warum in Halle?

Der Politthriller als Satire - eine bissig-böse Antinazi-Groteske, bei der dem Zuschauer der Atem stockt, Lächerliches schnell in Grauen umschlägt. Ein Spiel mit echten und falschen Bärten, Masken, Uniformen und Spionen. Witz, Terror und tiefsitzende Ängste, kunstvoll-locker serviert. Bösartige Späße mit Gestapo-Chargen entlarven mehr, als manch tiefgründige Analyse des Faschismus. In einer Scharade aus schwarzem Humor, Pathos und Grausamkeit werden die Popanzfiguren des NS-Regimes mit einer Gruppe exzentrischer Schauspieler konfrontiert und erzeugen damit ein Klima realer Unwirklichkeit, das die wirkliche Realität um so schärfer hervortreten lässt.
Es geht weniger um geschichtliche Ideen und Interpretationen als um die Darstellung menschlicher Schwächen. Helden werden die Maske vom Gesicht gerissen und dahinter kommen Anpassung und Opportunismus zum Vorschein, kaum jemals Heldentum. Frivoler Witz und ironische Nonchalance sind die besonderen Kennzeichen dieser scharfzüngigen Komödie. „Sein oder Nichtsein“ entwirft eine private Weltgeschichte aus dem Blickwinkel einiger Künstler und zwar als Farce gemeint. Es ist eine Hommage an das Theater. Die filmische Vorlage fragt wie der Theatertext nach der »Trennungslinie zwischen Bühne und Leben, Schein und Realität, zwischen Spiel und Ernst, zwischen Sein und Nichtsein.
Thematisiert wird nicht der Kampf gegen den Faschismus, sondern die Frage, wie man der Tyrannei durch Einfallsreichtum und List begegnet und die Herrschenden der Lächerlichkeit preisgibt.
Darf man mit Hitler und dem Nazi-Terror Schabernack treiben? Die Frage ist uralt, aber immer wieder aktuell. Die Antwort lautet stets: Man darf, wenn man's kann. Im Kino haben das Charlie Chaplin ("Der große Diktator", 1940), Ernst Lubitsch ("Sein oder Nichtsein", 1942) und zuletzt Roberto Benigni ("Das Leben ist schön", 1998) überzeugend vorgeführt.
„Sein oder Nichtsein“ ist angesichts anhaltend rechtsradikaler Tendenzen auch in Sachsen-Anhalt ein brandaktueller Theaterstoff. Er bringt zudem die Situation freier Theater in Halle gut auf den Punkt, geht es doch oft darum, aus Not eine Tugend zu machen, niemals Hoffnung und Humor zu verlieren, dem eigenen Geschick zu vertrauen. Die Kunst, in verschiedenen Lebenssituationen zu improvisieren und heikle Momente zu bewältigen mit dem, was gerade zur Verfügung steht, ziehen hier interessante Parallelen zur ferneren und jüngeren ostdeutschen Vergangenheit und Gegenwart.

Wo soll es stattfinden?

Da das Stück Theater im Theater darstellt, wollen wir auch wieder in Einem spielen. Die Vorstellungen werden im ehemaligen Fernsehstudio am Waisenhausring in Halle stattfinden, welches sich bereits als geeigneter Spielort für die Kulturinsel Halle in der Umbauphase erwiesen hat. Insgesamt wollen wir 11 Vorstellungen halten.