die Presseberichte vom letzten Stück
"Glaube Liebe Hoffnung"
unsere offizielle Pressemappe zum download als pdf-File
Halle TV - Freitag, 26. Mai 2006
Mitteldeutsche Zeitung - Samstag, 27. Mai 2006
Story wird furios aus der alten Zeit geholt
Jubiläumsstück des Theaters Halogen weckt neue Hoffnung
Von unserem Redakteur FRANK CZERWONN
Halle/MZ. Angeblich steckt ja das deutsche Theater in der Krise. Es sei unzeitgemäß, publikumsfern oder sensationsgierig. Das Studententheater Halogen lässt sich davon nicht beeindrucken. Es wagt sich in seinem zehnten Jahr an ein Stück von 1936 ‑ Ödön von Horváths – "Liebe, Glaube, Hoffnung".
Ein kleines Wunder
Dieser ernste Stoff über den Verlust der Menschenwürde, in Zeiten von Massenarbeitslosigkeit provoziert geradezu die Skepsis, ob er für eine Jubiläumsproduktion eine gute Wahl ist. Doch der engagierten Truppe gelingt unter Regisseurin Ellen Stork ein kleines Wunder. Es bringt mit diesem 70 Jahre alten Text brisante soziale Probleme der Gegenwart auf die Bühne ‑ und verfällt weder in plattes Polittheater noch in dröge Betroffenheitsstarre oder gar nervenden. Sozialkitsch. Stattdessen zeigen die Darsteller mit leichter Hand und in wohltuend einfachem Bühnenbild (Katja Blüher) eine von Szene zu Szene besser in Fahrt kommende, lebenspralle Geschichte über Unschuld und Verrat, Egoismus und Hoffnung, Verzweiflung, Duckmäusertum und Liebe.
Eigentlich will Elisabeth bloß einen ,Gewerbeschein um für sich sorgen zu können. Doch woher dafür die 150 Mark nehmen? Ein junger Mann, der sich durch sie sozialen Aufstieg erhofft, hilft. Doch als diese Illusion verfliegt, zeigt er sie wegen Vortäuschung falscher Tatsachen an. Ungerechtfertigt – aber die Strafe folgt. So gerät Elisabeth ungläubig staunend in einen sozialen Abwärtsstrudel, der kaum aufzuhalten ist. Obwohl – und gerade das macht die Inszenierung deutlich – es immer wieder Hoffnung gibt, Situationen, in denen andere Elisabeths Schicksal ändern könnten. Doch wer denkt an sie statt an sich?
Stefanie Grätz spielt die Hauptrolle mit hinreißender Natürlichkeit; überzeugend zeigt sie eine junge Frau, die an das Gute glaubt, sich im Recht fühlt und nur langsam lernt, dass dies keine Garantie ist, auch Recht zu behalten. Wandlungsfähigkeit demonstriert sie besonders im letzten Akt. – Eine Mischung aus Desillusion, wütendem Aufbegehren und Verzweiflung. Als ihr Geliebter Alfons zeigt Daniel Gebhardt überraschende darstellerische Vielfalt – vom einfühlsamen Verliebten, über den Partner mit ironisch gebrochenen Machozügen bis zum innerlich zerrissenen Polizisten, der zwischen Liebe und Karriere entscheiden soll. Beide Darsteller agieren furios und beweisen, dass manchmal weniger mehr ist. Ihnen zur Seite steht ein ordentliches Ensemble, aus dem Karen Meyer-Vokrap und Annika Stöver hervorstechen.
Unterhaltsamer Ernst
Ellen Stork vertraut ganz auf Horváths Geschichte, verzichtet auf üppige Dekos und verwandelt gewitzt die vom Ensemble vollzogenen Umbaupausen in Mini-Charakterstudien. Ihr gelingt der Balanceakt zwischen ernstem Thema und unterhaltsamen Spiel. Mit wenigen, präzise eingesetzten Aktualisierungen – z.B. dem TV-Kommentar Merkels, wie gut man in Deutschland leben könne – hebt sie die Story aus dem Zeitgefüge ins Heute und damit – und gerade das ist erschreckend und entlarvend – in die Allgemeingültigkeit.
Nächste Vorstellung: heute um 20.30 Uhr im Puppentheater
Mitteldeutsche Zeitung - Dienstag, 23. Mai 2006
Premiere in Halle
Vom großen Verlust der Würde
Theater Halogen geht mit Horvath ins zehnte Jahr - Regie war Überraschung
von Peter Godazgar
Halle/MZ. Alle Jahre wieder - liefert die freie hallesche Theatergruppe Halogen ein neues Stück ab. In diesem Jahr dürften die Mitglieder der Premiere mit besonderen Gefühlen entgegensehen: Schließlich feiert Halogen sein zehnjähriges Bestehen. Für das Jubiläumsjahr hat sich das Ensemble Ödön von Horváths Stück "Glaube, Liebe, Hoffnung" ausgesucht.
Das heißt, ausgesucht hat es die Regisseurin Ellen Stork. Sie wiederum kam auf den Regiestuhl wie die berühmte Jungfrau zum Kinde. Die Hallenserin war nämlich gerade aus Zinnowitz von einem vierjährigen Schauspielstudium zurückgekehrt - und weil sie zuvor schon zur Halogen-Mannschaft gehört hatte, fragte man sie, ob sie sich für die neueste Inszenierung auch die Spielleitung zutraue.
Die 29-Jährige zögerte nicht lange. "Wann bekommt man schon so ein Angebot", sagt sie. Nötig wurde die Regie-Suche, weil der langjährige Halogen-Kopf Rayk Gaida im vergangenen Jahr die Stadt Halle verlassen hatte, nachdem sein Vertrag als Schauspieler am neuen theater gekündigt worden war.
Inhaltlich bleiben die "Halogener" ihrem hohen Anspruch auch mit dieser Inszenierung treu: Ödön von Horváths 1936 in Wien uraufgeführtes Stück erzählt vom Verlust der menschlichen Würde in Zeiten der Massenarbeitslosigkeit. Im Mittelpunkt steht Elisabeth, eine junge Frau, die auf der Suche nach Arbeit ist, sich aber den dafür nötigen Gewerbeschein nicht leisten kann und in einen Teufelskreis gerät. Ellen Stork: "Elisabeth scheitert aber nicht an der Arbeitslosigkeit, sondern an den Menschen."
Erneut also nimmt sich das ambitionierte Theater Halogen einen anspruchsvollen und ernsten Stoff vor. Die Zuschauer, hofft die Regisseurin, sollen die Vorstellung gleichwohl nicht tief betrübt verlassen. Hoffnung könnten vielmehr all die vielen Punkte machen, die der Geschichte eine andere Wendung hätten geben können, wenn, ja, wenn sich die handelnden Figuren an diesen Stellen anders verhalten hätten.
Und hier spannt sich auch der Bogen in unsere Zeit. Die Inszenierung, so hofft Ellen Stork, könne nämlich auch Mut machen: Mut zur Anteilnahme am Schicksal des anderen, der uns doch gar nicht nicht so fremd ist.
Premiere am Dienstag um 20.30 Uhr im Puppentheater am Universitätsplatz. Weitere Vorstellungen in dieser Woche von Donnerstag bis Sonnabend, 25. bis 27. Mai, immer um 20.30 Uhr.
zur Großansicht
zur Großansicht